Modellflugzeuge: Auch kleine Flieger grüßen die Sonne

Modellflugzeuge

Ein Modellflugzeug muss nicht unbedingt das maßstabgetreue Modell von einem bemannten Flugzeug sein. Als Modellflugzeuge gelten prinzipiell alle Geräte, die zum Fliegen gebaut sind und sich dann auch tatsächlich in die Luft erheben. Sie müssen dazu weder einen Motor noch eine gewisse Spannweite haben. Es gibt Modelle, die nur wenig mehr als ein Gramm wiegen und trotzdem in sportlichen Wettkämpfen gegeneinander antreten. Es gibt ferngesteuerte und frei fliegende Modellflugzeuge, Hubschrauber, Segler, Gleiter, Heißluftballons, Raketen und sogar Düsenmodelle. Selbst ein simpler, klassischer Papierflieger ist ein Modellflugzeug, und sogar in dieser Disziplin gibt es passionierte Modellbauer, Meisterschaften und erstaunliche Weltrekorde.

Modellbau war der Anfang aller Luftfahrt

Bevor das erste bemannte Flugzeug oder Luftschiff, der erste Hubschrauber mit Pilot oder die erste Rakete starten durften, wurden sie als Modell erprobt. Das Risiko bemannter Flugversuche ist ungleich höher als das bei Testfahrten noch nicht ausgereifter Schwimm- oder Straßenfahrzeuge. Denn hier gibt es keine vorsichtigen Jungfernflüge mit halber Geschwindigkeit: Um vom Boden loszukommen, müssen Flugzeuge, egal, wie groß oder klein sie sind, eine gewisse Geschwindigkeit erreichen – und erst, nachdem sie das geschafft und den sicheren Boden mit dem Luftraum vertauscht haben, lässt sich ausprobieren, ob sie richtig funktionieren und nach dem Flug heil wieder nach unten kommen und auf dem Boden aufsetzen. Seit ein griechischer Mathematiker das erste funktionsfähige Modellflugzeug entwarf und konstruierte, sind über 2.400 Jahre vergangen. Im Jahr 2012 ist Modellflug ein schier unübersehbares Gebiet. Das schöne Hobby, auf das hier eingegangen werden soll, ist nur ein kleiner Teil davon, aber auch der ist groß genug, um viele Bücher zu füllen.

Arten und Klassen der Modellflugzeuge

Als Hobby werden am häufigsten Modellflugzeuge betrieben, die klassische oder bemannte Flugzeuge oder Hubschrauber zum Vorbild haben. Die Spannweite liegt bei unmotorisierten Seglern und Gleitern meist zwischen einem und vier Meter. Modelle mit Motoren kommen generell mit weniger Spannweite aus, hier reicht das Spektrum im „normalen“ Modellbau von einem halben bis einem Meter für kleine und um die zwei Meter für große Flugzeuge. Welchen Antrieb ein Modellflugzeug hat, hängt von seiner Art und Größe, aber auch vom Geschmack des Piloten ab. Die Propeller der motorisierten Flugzeuge werden von Verbrennungs- oder Elektromotoren, Gummimotoren, einem CO2-, oder Pressluftmotor betrieben. Turbinen- und Düsenmodelle sind wegen ihres authentischen Klangs und der mit dem Fliegen verbundenen Spannung beliebt, galten unter Modellpiloten jedoch lange Zeit als Randexistenzen, für die sowohl geeigneter Flugraum als auch passendes Zubehör schwerer zu finden war. Obwohl die Exoten im Jahr 2012 einen Aufwärtstrend verzeichneten, können turbinenbetriebene Modellflugzeuge nach wie vor nicht ohne weiteres überall und von jedem betrieben werden.

Modellflugzeuge für Anfänger und Profis

Ein Modellflugzeug lässt sich als fertiges Modell kaufen oder als Bausatz mit vorgefertigten Teilen, die der Pilot vor dem ersten Start selbst zusammenbaut. Erfahrene Flieger und Hobbykonstrukteure kaufen nur die Materialien ein, die sie brauchen, und basteln dann aus Balsaholz oder Multiplex, Kunststoff, Plexiglas, Metall und jeder Menge Technik und Elektronik die Flugzeuge ihrer Träume. Dazu sind allerdings geschickte Finger, einiges Wissen über Aerodynamik, gutes Werkzeug und ein geeigneter Arbeitsplatz erforderlich. Für Einsteiger bieten sich RTF Modelle an, sie sind „ready to fly“, also bereit zum Fliegen. Ein Modellflugzeug, das mit dem Zusatz „RTF“ verkauft wird, erfordert keinerlei weiteres Zubehör. Ein ARF Modell ist „almost ready to fly“, also fast flugbereit: Es muss zusammengesetzt werden, und der Pilot muss noch etliche Teile, etwa Sender, Regler oder Empfänger, als Zubehör kaufen. RTB ist die Abkürzung für „Ready to bind“; hier ist das Modell zwar mit einem Empfangsteil ausgestattet, die Fernsteuerung muss jedoch bereits vorhanden sein oder zusätzlich bestellt werden. Durch die praktische Möglichkeit, so gut wie alles für die kleinen Flugzeuge im Internet zu finden und sich per Versand nach Hause zu ordern, beschleunigt sich der Weg zur Vollausstattung. Viele Modellbaugeschäfte bieten ebenfalls einen Zubehörservice mit Versand für ihre Kunden an.

Steuerung und Technik beim Modellflugzeug

Ein über Funk ferngesteuertes Modellflugzeug braucht einen Empfänger (auch RX oder Receiver), der vom Sender (auch TX oder Transmitter) Signale bekommt. Die Fernsteuerung in der Hand des Piloten ist der Sender, von ihr empfängt das Modellflugzeug Funksignale, üblicherweise über zwei Steuerknüppel mit jeweils zwei sogenannten Freiheitsgraden. So können die vier elementaren Funktionen der Modellflugzeuge ferngesteuert werden: Seite, Höhe, Quer und Motor bei einem Modellflugzeug mit Tragflächen, Nick, Roll, Yaw und Pitch beim RC-Helikopter. Der Pilot steuert damit die Servos am Modell an, die mechanischen und elektronischen Rudermaschinen. Modellflugzeuge setzen die Steuersignale mit Servos, Stellern und Reglern um, von denen es je nach Modell mehr oder weniger gibt. Regler bestimmen bei einem elektrisch betriebenen Modellflugzeug beispielsweise die Geschwindigkeit, Helikopter verfügen über Regler für die Drehzahl, Flugzeuge mit bürstenlosen („brushless“) Motoren passen über spezielle Regler das Drehfeld den Vorgaben an. Modellflugzeuge, die mit mehreren Motoren ausgerüstet sind, werden Steller manchmal zur Steuerung der Flugrichtung eingesetzt. Geht ein technisches, elektrisches oder elektronisches Teil kaputt, kann es als Zubehör für das entsprechende Modell nachgekauft werden. Renommierte Traditionsmarken wie Graupner oder Robbe bieten vielfach auch für ein älteres Modell aus ihrem Haus noch Zubehör an, zuweilen sind auch Komponenten verschiedener Modellflugzeuge miteinander kompatibel.

Modellflugzeuge: Rechtliche Bestimmungen

Modellflugzeuge nutzen wie bemannte Flugzeuge den Luftraum und gelten daher in Deutschland juristisch als Luftfahrzeuge. Wie, wo und durch wen Modellflugzeuge betrieben werden dürfen, ist in § 16 der Luftverkehrsordnung (LuftVO) festgelegt. Wiegt ein Modellflugzeug weniger als fünf Kilogramm und hat weder einen Verbrennungsmotor noch einen Raketenantrieb, darf es ohne besondere Erlaubnis geflogen werden, solange der Pilot mindestens anderthalb Kilometer Abstand zum nächsten Flughafen einhält. Ein Modellflugzeug mit Verbrennungsmotor muss den gleichen Abstand auch zu Siedlungen einhalten. Ein großes Modell (über 25 Kilogramm Gewicht) bedarf der Einzelzulassung gemäß § 1 Absatz 1 der Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung (LuftVZO). Es darf nur mit einem Modellpilotenschein und auf besonders ausgewiesenen Fluggeländen betrieben werden. Ob ein Modellflugzeug gesondert versichert werden muss, lässt sich bei speziellen Modellflugversicherungen oder den Verbänden DMFV und DAeC erfragen. Der Betrieb ohne vorgeschriebene Haftpflicht ist eine Ordnungswidrigkeit, aber auch eine nicht vorgeschriebene Versicherung des Modellflugzeugs lohnt sich, damit Unfälle, Defekte und Pannen nicht teurer werden als nötig.