Schiffmodellbau: Alte Kunst und zeitlose Freude

Schiffmodellbau

Das älteste erhaltene Schiffsmodell, ein kleines Schiff aus Ton, ist rund 4.000 Jahre alt und gehört zu den Exponaten des Israel-Museums in Jerusalem. In Venedig wurden bereits im 16. Jahrhundert neue oder verbesserte Schiffe und Boote zuerst als Modelle gebaut, um die zuständigen Entscheider und Geldgeber von ihrer Schönheit, Qualität und Funktionalität zu überzeugen. Viele Völker, unter ihnen die alten Ägypter und die Dänen, Nachfahren der Wikinger, kannten sich ebenfalls mit Schiffmodellbau unter rein künstlerischen oder spirituellen Gesichtspunkten aus: Sie konstruierten Schiffe als prachtvolle Grabbeigaben, bemalten sie mit prächtigen Farben und statteten sie mit allem Zubehör aus, das der Kapitän für seine ehrenvolle letzte Fahrt und standesgemäße Ankunft in der nächsten Welt brauchte. Manche dieser Modelle wurden zu Wasser gelassen, andere in Stein- oder Erdgräbern zur Ruhe gesetzt. Modellbau, das Nachbauen oder planende Vorabkonstruieren größerer Dinge in kleinerem Maßstab, ist eine dem Menschen natürlich zugewachsene Kunst. Sie hilft ihm seit Jahrtausenden bei der Erforschung physikalischer und elementarer Kräfte, der Erprobung seiner Fähigkeiten und Kenntnisse sowie dem Ausloten seiner Grenzen. Darüber hinaus kommt sie in hohem Maße seinem Spieltrieb entgegen und wird daher, ebenfalls seit tausenden von Jahren, auch zur Freude, ohne kommerzielle Absicht oder wissenschaftlichen Auftrag ausgeübt.

Schiffmodellbau als Hobby

Schon kleine Kinder lieben es, Schiffe zu basteln, die dann tatsächlich funktionieren und in Spülbecken, Badewanne, Dorfbach, Brunnen oder Teich zu Wasser gelassen werden können. Aus Nussschalen, Blättern, Rinde, leeren Flaschen oder Alufolie lassen sich mit wenig Aufwand schwimmfähige Modelle herstellen. Mancher Erwachsene erinnert sich heute noch gern an die Schiffe seiner Kindheit, von denen manche erstaunliche Fahrstrecken vorweisen konnten, bevor sie zum ersten Mal kenterten oder endgültig sanken. Papierschiffe und Faltboote gehören ebenso zum anerkannten und wettbewerbsfähigen Schiffsmodellbau wie große, hochseetaugliche Modelle mit schweren Motoren; wie diese sind sie mit einer eigenen Klassifizierung versehen, nehmen an internationalen Meisterschaften teil und stellen Rekorde auf. Schiffmodellbau umfasst den originalgetreuen Nachbau oder die völlig freie Eigenkonstruktion, Hauptzweck der Modelle kann ihre Schönheit, Funktion, Authentizität oder Kunstfertigkeit sein. Das Flaschenschiff auf dem Kaminsims, das historische Anschauungsobjekt im Museum oder die als Souvenir und Geschenk beliebten Schiffsmodellbausätze aus Karton sind meist Standobjekte, deren Material, Farben und Zubehör weder wasserfest noch schwimmtauglich sein müssen. Funktionsmodelle hingegen müssen Wasser vertragen, denn sie sollen schwimmen: Frei, an der Leine oder mit Fernsteuerung. Je nach Wunsch ihres Erbauers werden die Modelle von der Strömung getragen und den Wellen geschaukelt, vom Wind in den Segeln beschleunigt oder durch die Kraft von Elektro und Verbrennungsmotoren.

Schiffsmodelle mit Fernsteuerung

Detaillierte, originalgetreue Nachbauten haben beim passionierten und professionellen Schiffmodellbau fast alles, was auch die großen, bemannten Vorbilder haben: Schiffsschrauben, Treibstofftanks, Beleuchtungsanlagen, Beiboote, Takelagen, Kabel und eine Vielzahl funktionaler oder schmückender Details. Es gibt ferngesteuerte Schiffe, die historische Antriebe wie Dampfkraft und Schaufelräder nutzen, Modelle mit rechnergesteuerten elektronischen und elektrischen Rudermaschinen, Kriegsschiffe und Unterseeboote. Traditionshersteller und Profis im Bereich Modellbau und Schiffsmodellbau sind beispielsweise die Firmen Graupner, Krick oder Rabösch. Sie bieten Schiffsmodellbausätze, Ersatzteile, Kabel, Motoren und umfangreiches Zubehör an, mit denen sich eine Vielzahl maßstabgetreuer Modelle aufwändig und kunstvoll konstruieren oder mit wenig Aufwand basteln und als erholsames Freizeitvergnügen fernsteuern lassen. Schiffmodellbau für Einsteiger, kleine Sammlerstücke und preiswerte Modelle für Kinder und unkomplizierte Einsätze, etwa in den Ferien, bieten auch Unternehmen wie Dickie oder Miniship.

Fertigmodelle und Bausätze

Schiffmodellbau und das Betreiben eines oder mehrerer ferngesteuerter Schiffe kann ein sehr zeitintensives und teures Hobby sein, aber auch ein preiswerter Wochenend- oder Sommerspaß für Kinder. Im zeitgemäßen Modellbau kommen sowohl Plastik als auch Holz, Metall und besondere Kunststoffe, etwa Polystyrol, zum Einsatz. Konstruktionsdauer, Preis und geeignete Einsatzgebiete werden vor allem von Größe, Schwere, Maßstab- und Realitätstreue sowie Detailreichtum bestimmt. Stehen Spaß und Spiel beim Betrieb des Schiffsmodells im Vordergrund, bieten sich RTR („Ready to Run“) Schiffe besonders an, etwa fertig vormontierte Dampfer oder Sportboote mit Fernsteuerung. Inzwischen haben die Fertigmodelle längst die billige Ecke verlassen, RTR Schiffe werden im nautisch geprägten Modellbau auch als wertige, genauestens am Vorbild orientierte und maßstäblich korrekte Modelle im mittleren und hohen Preisbereich angeboten. Die Bezeichnung ARTR setzt auch im Schiffmodellbau den Zukauf der Antriebe und Steuerungsanlagen bzw. bestimmter Komponenten davon voraus. Bausätze erfordern Fingerfertigkeit und technisches Geschick im Modellbau, lassen Profis und Individualisten jedoch die freie Wahl der Farben, Motoren und Antriebe und können sich Technik und Zubehör gezielt aussuchen. Ausgefallene Schiffsmodelle oder Einzelanfertigungen lassen sich grundsätzlich durch Kombination vorhandener und selbstgefertigter Bauteile sowie Zukauf der erforderlichen und gewünschten technischen Komponenten realisieren. Im Schiffsmodellbau gibt es kaum Grenzen. Vom Ruderboot über den Fischkutter bis zum Ozeanriesen, vom Hausboot oder Binnenschiff über Katamarane, Jollen und Hochseeyachten bis zu majestätischen Windjammern und Piratengaleeren: Alles ist machbar. Einsteiger, die große Träume haben, können sich von Profis des Schiffsmodellbau bei der Planung helfen und bei der Umsetzung beraten lassen.

Schiffmodellbau als sportlicher Wettbewerb

Die NAVIGA ist eine international tätige Organisation zur generellen Förderung und Verbreitung von Schiffsmodellbau und Modellschiffen. Sie setzt sich für Vereine und Verbände ein, organisiert und veranstaltet Rennen und andere Wettbewerbe und macht sich stark für die Freundschaft und Kommunikation zwischen Freunden, Konstrukteuren und Kapitänen aller Modellschiffe auf der ganzen Welt. In zweijährigem Rhythmus finden unter der Schirmherrschaft der NAVIGA Kontinental- und Weltmeisterschaften statt, für die teilnehmende Modelle in Klassen und Unterklassen eingeteilt sind. Viele Hauptsektionen wie Stand- und Funktionsmodelle, Rennboote, Baukastenmodelle und Segler sowie weitere Spezifikationen, etwa Flaschenschiffe, Dampfschiffe, ferngesteuerte Nachbauten oder vorbildgetreue Gruppenmanöver, sorgen dafür, dass sich alle wettbewerbsfähigen Schiffsmodelle im System der NAVIGA einordnen lassen.